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Blog - Gerichtsurteil

Allergische Reaktion auf Nahrungsmittel ist ein Unfall

12. April 2012

Das OLG München hat in einem Urteil vom 01.03.2012 entschieden, daß die versehentliche, unbewusste Aufnahme von Lebensmitteln, auf die man stark allergisch reagiere, einen Unfall im Sinne der privatrechtlichen Vertragsbedingungen darstellt. (Az.: 14 U 2523/11)

Ein 15 Jähriger, geistig behinderter Junge, dessen Nahrungsmittelallerige bekannt war, verstarb Weihnachten 2009 an einer starken allergischen Reaktion nach dem (heimlichen) Verzehr von nusshaltiger Schokolade. Die Mutter des Kindes machte gegenüber der Unfallversicherung der Familie die versicherte Todesfallleistung in Höhe von 27.000.- € geltend.

Das Landgericht Memmingen gab zunächst der Versicherung recht, die hier keinen Unfall erkennen wollte. Ein bewusstes, gewolltes Verzehren einer...


Krebsbehandlung durch gesetzliche Krankenkasse (GKV)

13. Juli 2010

Eine sog. "Regional verabreichte Chemotherapie" muss nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werde, selbst dann nicht, wenn die klassische Chemotherapie wegen erheblicher Nebenwirkungen abgebrochen wurde. Landessozialgericht Baden-Württemberg  (Az.: L 5 KR 2035/09).

Eine an Brustkrebs erkrankte, gesetzlich versicherte Frau wurde in einer von der GKV zugelassenen Klinik mit einer klassischen Chemotherapie behandelt. Aufgrund massiver, schwerer Nebenwirkungen, brach die Frau die Therapie ab, und entschied sich statt dessen für eine sog. "Regionale Therapie", die sich auf die betroffenen Körperteile beschränkt. Diese Therapie wurde in einer Privatklinik durchgeführt - diese war allerding von der...


Wann ist ein Selbstständiger berufsunfähig?

14. Juni 2010

Immer wieder müssen Gerichte die Entscheidung treffen, ob und zu wieviel Prozent ein Selbstständiger berufsunfähig im Sinne der Vertragsbedingungen ist. Interessant hierzu ein Urteil des OLG Frankfurt vom 19.03.2010 (Az.: 7 U 284/08)

Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Selbstständiger berufsunfähig (im Sinne der jeweiligen Vertragsbedingungen) ist, ist immer auf seinen zuletzt ausgeübten Beruf abzustellen, so wie er konkret ausgestaltet war. Hier muss ein Selbstständiger darlegen, wie sein Betrieb organisiert war und in welchem Umfang er durch seine Mitarbeit welche Tätigkeiten verrichtet hat.

Zusätzlich hat er noch den Nachweis zu erbringen, dass es ihm nicht möglich ist, seinen Betrieb in zumutbarer Weise entsprechend umzuorganisieren, um dadurch...


Keine Krankentagegeldleistung und BU-Rente gleichzeitig

12. Juni 2010

Eigentlich nichts neues, aber das OLG in Köln (AZ: 20U 168/08) hat erneut entschieden, dass es nicht möglich ist, aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente zu beziehen und gleichzeitig von seiner Krankenversicherung das vereinbarte Krankentagegeld.

Das ist auch unstrittig und auch in den Bedingungen aller Krankentagegeldversicherungen so geregelt. Im Vorliegenden Falle kam jedoch noch erschwerend hinzu, dass der Krankenversicherer des Klägers Kenntnis davon hatte, dass der Kläger seit einiger Zeit gleichzeitig eine Rente wegen Berufsunfähigkeit bezog. Dennoch hatte die Gesellschaft Monat für Monat das vereinbarte Krankentagegeld versehentlich weiter gezahlt. Insgesamt ca. 17.000.- Euro.

Der Krankenversicherer durfte das Geld nach Ansicht des Gerichtes zurück...


Privat versichert und ALG 2 Empfäger - Wieviel Beitragszuschuss zum Basistarif?

2. Juni 2010

Ein privat krankenversicherter ALG 2 - Empfänger hat lediglich Anspruch auf den Zuschuss, den die ARGE zahlren müsste, wenn derjenige in einer gesetzlichen Kasse versichert wäre. Landessozialgericht Sachsen-Anhalt (Az.: L 2AS 16/10 B ER)

Der Kläger, versichert in einem ganz normalen Tarif eines privaten Krankenversicherers, war der Ansicht, die ARGE müsse ihm eben diese Beiträge zu seiner privaten Kranken- und Pflegeversicherung erstatten. Die ARGE zahlte dagegen nur einen Zuschuss von 126,05 Euro pro Monat. Dies entspricht dem Beitrag, den ein ALG II Empfänger in der gesetzlichen Kasse zu zahlen hätte. Für den Kläger entstand so jeden Monat ein hoher Eigenbeitrag, den er aus den laufenden ALG II Bezügen nicht erbringen konnte. Dennoch wurde seine Klage abgewiesen.

Zur...


Keine Kündigung bei längerer Arbeitsunfähigkeit und unangekündigtem Arbeitsversuch

1. Juni 2010

Wenn ein privat Krankenversicherter nach einer längeren Krankschreibung an wenigen Tagen einen nicht angekündigten Arbeitsversuch unternimmt, der Vertrag in der Vergangenheit problemlos verlaufen ist und die Versicherung ohne stichhaltige Anhaltspunkte einen Detektiv auf den Versicherten angesetzt hat, so darf die Versicherung wegen des Arbeitsversuches nicht kündigen. LG Dortmund (Az.: 2 O 71/07)

Der Kläger (Selbstständig, KFZ Reparaturbetrieb, Frau und Sohn als Angestellte dort mitbeschäftigt) war seit 1975 bei der privaten Krankenversicherung versichert. Wegen Beschwerden am rechten Arm war der Kläger seit 08/2006 krank geschrieben, wurde auch am Arm operiert. Auch nach der OP war er noch krankgeschrieben und erhielt von der Versicherung (nach Ablauf der vereinbarten...


Trauerbewältigung bei Antrag auf BU-Versicherung angabepflichtig

16. Mai 2010

Wer bei Antragstellung für eine Berufsunfähigkeitsversicherung die Frage nach Depressionen, Angstzuständen, Chronischer Müdigkeit oder anderen psychischen Problemen verneint, tatsächlich aber in der Vergangenheit Arztbesuche wegen einer Depression hatte, verliert seinen Versicherungsschutz, weil er arglistig handelt.

Der Betroffene Versicherungsnehmer hatte nach dem Tode seines Vaters zur Bewältigung seiner Trauer mehrfach einen Arzt aufgesucht. Bei der Antragstellung zu seiner BU-Versicherung hatte er diesen Umstand aber für nicht erheblich gehalten und deshalb nicht angegeben.

Das Landgericht Saarbrücken (AZ: 12 O 193/08) bewertete dieses Verhalten als Arglist und somit sei die Versicherung berechtigt, den Vertrag anzufechten und brauche nicht zu leisten. Es...


Beweislast in der Berufsunfähigkeitsversicherung

6. Mai 2010

Ein Versicherungsnehmer, der Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung beziehen möchte, hat grundsätzlich sämtliche Voraussetzungen des Vorliegens eines Versicherungsfalles zu beweisen. Die alleinige Tatsache, dass ein Versicherter bereits mehrere Jahre krank geschrieben ist, reicht als Beweis nicht aus. Gibt es Zweifel an der Feststellung der medizinischen Voraussetzungen, so  gehen diese zu Lasten des Versicherten.

Oberlandesgericht Frankfurt/M., Urteil vom 18. 01.08 (Az.: 3 U 171/06)

Der Kläger hatte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Später wurde er wegen von ihm behaupteter Schmerzzustände mehrere Jahre krank...


Beitragsbemessung in der GKV - auch für ausgezahlte Lebensversicherung

1. April 2010

Immer wieder muss vor Gericht entschieden werden, welche Einkünfte bei einem freiwillig versicherten GKV Mitglied zu berücksichtigen sind. In einem aktuellen Urteil des BSG wird festgestellt, dass auch der Zufluss einer Lebensversicherung eine beitragspflichtige Einnahme darstellt ( § 240 Abs.1 Satz 2 SGB V) - selbst dann, wenn diese Lebensversicherung zur Finanzierung an eine Bank abgetreten ist, also gar nicht an den Versicherten selbst ausgezahlt wird!

Ein Immobilienmakler, freiwillig in der GKV versichert, trat 1995 zur Besicherung eines Darlehens eine Lebensversicherung an die finanzierende Bank ab. Nachdem er im Mai 2002 den Vertrag mit Zustimmung der Bank kündigte und das Darlehen mit dem...


Urteil: PKV muss Heilpraktiker-Kosten übernehmen

2. September 2009

Die private Krankenversicherung (PKV) muss die Kosten für einen Heilpraktiker übernehmen, wenn das die einzige Behandlung ist, die dem Versicherten helfen kann. Das hat das Landgericht Münster jetzt entschieden (Az.: 15 O 461/07).

Beim zu verhandelnden Fall ging es um einen Privatpatienten, der unter der Hauterkrankung Neurodermitis litt. Behandlungen der Schulmedizin und ihre Medikamente schlugen bei dem Mann nicht an. Erst die Versorgung durch eine Heilpraktikerin brachte Besserung.

Der Mann reichte die Behandlungskosten bei seiner privaten Krankenversicherung ein. In ihren Allgemeinen Versicherungsbedingungen versprach diese, die Kosten für Heilpraktiker-Behandlungen in Höhe von maximal 60 Prozent zu übernehmen. Aber das Unternehmen winkte ab. Die Methode, die die...


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